WAS IST CLUSTERKOPFSCHMERZ?
Typische Anzeichen und Verlauf der Attacken
Der Clusterkopfschmerz konzentriert sich auf die Region um das Auge oder die Stirn und betrifft immer nur eine Seite des Gesichts. Aus dem Nichts bauen sich rasch starke Schmerzen auf, die von Betroffenen als stechend, „vernichtend“ oder die stärksten jemals erlebten bezeichnet werden. Viele PatientInnen haben ein Bedürfnis sich zu bewegen und herumzugehen.
Typisch ist auch ein Auftreten nachts, 1-2 Stunden nach dem Schlafengehen.
Die Begleiter des Cluster-Kopfschmerzes sind sichtbare Veränderungen im Gesicht auf der betroffenen Seite während der Kopfschmerzen – das kann eine Rötung, Schwellung oder ein Tränen des Auges sein, aber auch ein Rinnen oder verstopftes Gefühl in der Nase, Verengung oder Erweiterung der Pupille oder eine Schwellung oder vermehrtes Schwitzen auf der Stirn sind möglich. Die Dauer einer Attacke ist bei 15 Minuten bis drei Stunden.
Wie der Name schon sagt, tritt der Cluster-Kopfschmerz (cluster: englisch für Ansammlung, Häufung) meist in sogenannten Cluster-Perioden auf. Das bedeutet, dass über eine Zeit von Wochen bis Monaten (meist 4-12 Wochen) viele Attacken vorhanden sind, die dann plötzlich für Monate oder Jahre wieder verschwinden. Dann spricht man von einem episodischen Cluster-Kopfschmerz, der 80% der bei 80% der PatientInnen vorliegt. 20% leiden an einem chronischen Cluster-Kopfschmerz – bei diesem ist die Zeit zwischen den Häufungen unter drei Monate.
Unterschiede zu Migräne und anderen Kopfschmerzen
Migräne ist sehr häufig, Clusterkopfschmerz sehr selten. Die Behandlung unterscheidet sich wesentlich, weshalb die richtige Diagnose für Sie wichtig ist. Deshalb haben wir einen eigenen Artikel zur Unterscheidung erstellt, den Sie hier lesen können (Anm: Link zu Blog Unterschiede Migräne- Cluster)
URSACHEN UND RISIKOFAKTOREN DES CLUSTERKOPFSCHMERZES
Rolle des Trigeminusnervs
Der Trigeminusnerv ist verantwortlich für die Schmerzempfindung beim Cluster-Kopfschmerz. Er versorgt die Hälfte des Gesichts mit Berührungs- und auch Schmerzwahrnehmung. Durch die Freisetzung von Neuropeptiden – das sind kleine Eiweißmoleküle – wird eine „sterile“ Entzündung verursacht, die eben weh tut. Der Trigeminusnerv ist aber eigentlich nur der Ausführende beim Kopfschmerz, die Steuerung dahinter haben nach derzeitigem Verständnis tiefliegende Strukturen im Gehirn. Beim Clusterkopfschmerz spielt der sogenannte Hypothalamus die entscheidende Rolle. Dieser reguliert neben der Schmerzverarbeitung auch den Tag-Nacht-Rhythmus – welchem die teilweise sehr strenge Rhythmik des Auftretens von Cluster-Kopfschmerzattacken und auch die nächtliche Betonung zugeschrieben wird.
Genetische Hintergründe
Angehörige ersten Grades von Clusterkopfschmerz-Betroffenen haben ein 5-18 fach erhöhtes Rsiko, selbst Cluster-Kopfschmerz zu bekommen – was eine Beteiligung der Gene nahelegt. Trotz extensiver Bemühungen und vielen verschiedenen Ansätzen konnten bisher keine sicher mit dem Cluster-Kopfschmerz verknüpften Gene identifiziert werden.
BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN
Akuttherapie
Wie immer in der Kopfschmerztherapie zwischen der Behandlung der einzelnen Attacke, der Akuttherapie, und der vorbeugenden oder prophylaktischen Therapie zu unterscheiden. Für die Akuttherapie des Clusterkopfschmerzes ist es wesentlich, dass diese rasch wirkt und die Attacke zuverlässig beendet. Tabletten sind in diesem Fall nicht zu empfehlen, da es zu lange dauert, bis die Wirkung einsetzt. Auch wirken „normale“ Schmerzmittel wie Aspirin, Novalgin, etc. beim Clusterkopfschmerz nicht. Die Medikamente der Wahl sind die sogenannten Triptane, die auch bei der Migräne Verwendung finden. Die Verabreichung erfolgt entweder mit einem automatischen Pen, der den Wirkstoff Sumatriptan unter die Haut spritzt, oder durch Verabreichung des Wirkstoffs Zolmitriptan als Nasenspray.
Als Alternative ist die Inhalation von reinem Sauerstoff über eine Maske über Mund und Nase für 15 Minuten.
Vorbeugende Therapie
Die vorbeugende Therapie soll die Clusterperiode möglichst rasch beenden. Ein rascher Wirkeintritt kann mit Cortisontabletten erzielt werden. Dieses wird mit anfangs hoher Dosierung über etwa 2 Wochen wieder reduziert und beendet. Auch die Verabreichung einer Mischung eines kurz- und langwirksamen Cortisons als Spritze um den Hinterhauptsnerv (Occipitalisblockade) Die Wirkung der Cortisontherapie hält etwa sechs bis acht Wochen an. Für PatientInnen mit eher kurzen Clusterperioden ist dies ausreichend.
Liegt die Dauer der vorausgegangenen Perioden über dieser Zeit oder liegt ein chronischer Clusterkopfschmerz vor, muss die Zeit der Wirkung von Cortison zum Aufbau einer vorbeugenden Therapie mittels Verapamil genutzt werden, damit die Attacken nicht zurückkehren. Sollte Verapamil nicht möglich sein, finden die Wirkstoffe Lithium oder Topiramat Verwendung.
Für PatientInnen, die auf keine der bekannten Therapien ansprechen, kann vereinzelt an spezialisierten Zentren auch eine invasive Therapie in Erwägung gezogen werden. Die Möglichkeiten umfassen die Occiptialisnervstimulation (mittels implantiertem Stimulator am Hinterhaupt) oder auch die tiefe Hirnstimulation (mittels Elektroden im Gehirn). Dies betrifft aber nur Einzelfälle.
Neueste Therapien bei Clusterkopfschmerz
Glacanezumab sind Antikörper, die für die vorbeugende Behandlung der Migräne entwickelt wurden und einmal pro Monat unter die Haut gespritzt werden – umgangssprachlich als eine der „Migräne-Spritzen“ bekannt. In mehreren Studien zeigte sich auch eine Wirkung beim episodischen Cluster-Kopfschmerz. Zugelassen ist das Präparat bei uns für diese Erkrankung nicht, kann aber als „individueller Heilversuch“ bei therapieresistentem Cluster-Kopfschmerz eingesetzt werden.
WANN ZUM NEUROLOGEN?
Diagnose in der Neurowerkstatt Gallneukirchen/Linz
Buchen Sie jetzt Ihren Termin:
Tel.: 07235 63884
Montag – Freitag 8:00 – 18:00 Uhr
oder einfach & schnell zum Termin online:

