WAS SIND SPANNUNGSKOPFSCHMERZEN?
Spannungskopfschmerzen sind die häufigste Form von Kopfschmerzen überhaupt. Man geht davon aus, dass bis zu 80% der Bevölkerung im Verlauf des Lebens zumindest einmal daran leidet.
Zur Erkrankung wird er dann, wenn er immer wieder auftritt. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft unterscheidet den episodischen Kopfschmerz vom Spannungstyp vom chronischen. Der chronische ist an mehr als 14 Tagen pro Monat oder mehr als 180 Tagen/Jahr vorhanden. Der episodische wird nochmals unterteilt in den seltenen episodischen (weniger als 12 Tage/Jahr) vom häufigen (12 bis 180 Tage/Jahr).
Wichtig ist noch anzumerken, dass der Kopfschmerz keine andere Ursache, wie zum Beispiel eine Nebenhöhlenentzündung, Bluthochdruck oder Alkohol haben darf, um als eigenständige Kopfschmerzerkrankung gewertet zu werden.
Typische Symptome und Dauer
Der Kopfschmerz vom Spannungstyp ist im Wesentlichen das, was als „normaler“ Kopfschmerz empfunden wird. Er betrifft typischerweise den ganzen Kopf, kann an gewissen Stellen betont sein. Die Schmerzstärke ist leicht bis mittel, oft kann der Alltag fortgesetzt werden. Die Schmerzqualität wird von Betroffenen als drückend beschrieben, häufig verwendete Ausdrücke unserer PatientInnen sind „als wäre der Kopf im Schraubstock“ oder „als hätte ich einen engen Helm auf“. Die Dauer kann von 30 Minuten bis zu 7 Tagen sein, ist also relativ variabel.
Unterschiede von Migräne und Spannungskopfschmerz
Die Unterscheidung ist nicht immer ganz einfach. Entweder ob es sich bei wiederkehrenden Kopfschmerzen um Kopfschmerzen vom Spannungstyp handelt oder eher doch etwas atypisch verlaufende Migräneattacken, die zum Beispiel beide Kopfhälften, meist an der Stirn betont, betrffen. Auch kann es herausfordernd sein herauszufinden, ob ein Patient/eine Patientin Migräneattacken hat, die mal leichter, mal schwerer sind, oder ob tatsächlich zwei verschiedene Kopfschmerzarten vorliegen.
Die zuverlässigsten Unterscheidungskriterien sind: zum einen die Zunahme bei Bewegung – Migräne wird bei ¾ der PatientInnen bei körperlicher Bewegung, zum Beispiel bei Stiegensteigen, stärker. Bei Spannungskopfschmerz ändert die Bewegung nichts an der Schmerzstärke. Auch ist die Migräne sehr häufig mit Übelkeit und Erbrechen verknüpft – welche beim Spannungskopfschmerz fehlt. Auch fehlendes Ansprechen auf „normale“ Schmerzmittel kann auf eine unerkannte Migräne hinweisen. In vielen Fällen kann das Führen eines Kopfschmerztagebuchs hilfreich sein. Ihre Fachärzte für Neurologie beraten Sie gerne.
HÄUFIGE URSACHEN UND AUSLÖSER
Wie entsteht Spannungskopfschmerz?
Der genaue Mechanismus der Entstehung einer Spannungskopfschmerzattacke ist nicht im Detail geklärt. Während man früher dachte, dass die Verspannung der Muskulatur im Nacken ursächlich ist – welche namensgebend war – ist man heute der Ansicht, dass es jedenfalls ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren ist und eine Veränderung in der Schmerzverarbeitung im Kopf eine zentrale Rolle spielt. Das Schmerzsystem ist praktisch „empfindlicher“ und begünstigt somit die Entstehung wiederholter Kopfschmerzattacken.
Schlafmangel und andere Trigger
Als auslösend wird im Allgemeinen berichtet, was als „ungesunder“ Lebensstil angesehen wird. Die meisten Belege gibt es für Schlafmangel, alle anderen Faktoren zeigen eine relativ große Variabilität zwischen unseren einzelnen PatientInnen: Stress, Auslassen von Mahlzeiten, eine fleischlastige Ernährung, Rauchen, Alkoholkonsum – all das kann für den einzelnen eine Rolle spielen und sollte angesprochen werden.
BEHANDLUNG VON SPANNUNGSKOPFSCHMERZEN – MEDIKAMENTÖS
Medikamente und Grenzen der Selbstmedikation
Als Medikamente der ersten Wahl für die Akuttherapie kommen die nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), die „normalen“ Schmerzmedikamente, zum Einsatz. Ibuprofen 400 bis 800 mg, Acetylsalicylsäure 500 bis 1000 mg oder Paracetamol 1000 mg wurden am häufigsten untersucht und haben die höchste Evidenz. Darüberhinaus können auch Naproxen 550 mg, Diclofenac 25 mi oder Metamizol 500-1000 mg empfohlen werden.
Mögliche Nebenwirkungen, vor allem bei häufiger Einnahme, betreffen den Magen-Darm-Trakt ebenso wie Auswirkungen auf Leber und Niere.
Medikamente der zweiten Wahl sind die Mischpräparate, die neben den Wirkstoffen auch noch Koffein enthalten. Diese helfen sehr zuverlässig, sind aber mit einer etwas höheren Nebenwirkungsrate belastet. PatientInnen berichten über Benommenheit oder Nervosität wegen des Koffeins.
Für beide Medikamentengruppen muss man wissen, dass sie bei häufiger Einnahme paradoxerweise zum Auftreten von mehr Kopfschmerzen beitragen können, dem medikamenten-induzierten Kopfschmerz. Die offizielle Grenze liegt bei 15 Einnahmetagen/Monat für die NSAR und 10 für die Mischpräparate. Sollte eine Einnahme so häufig sein, sollte man jedenfalls Facharzt/Fachärztin für Neurologie aufsuchen, um zusätzlich vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen!
Bei den vorbeugenden (prophylaktischen) Therapien haben inzwischen die nicht-medikamentösen Maßnahmen die höhere Empfehlung als die medikamentöse (siehe weiter unten). Sollte mit diesen allein keine zufriedenstellende Attackenreduktion vorgenommen werden können, ist Amitriptylin als gut untersuchtes und langjährig erfolgreiches Medikament für den Zeitraum von 6-12 Monaten einzusetzen.
BEHANDLUNG VON SPANNUNGSKOPFSCHMERZEN – NICHT-MEDIKAMENTÖS
Eine Empfehlung für die nicht-medikamentöse Akuttherapie gibt es: 10%iges Pfefferminzöl, bis zu 3x im Abstand von 15 min großflächig auf Stirn und Schläfe aufgetragen, kann Ihre Kopfschmerzattacke vom Spannungskopfschmerz beenden.
Bei den vorbeugenden Therapien haben inzwischen die nicht-medikamentösen Maßnahmen die Nase vorne:
Kraft- und Ausdauertraining gegen Spannungskopfschmerz
Krafttraining für die Schulter-Nacken-Muskulatur, zumindest über 6 Wochen durchgeführt, reduziert die Kopfschmerhäufigkeit, sowie die Schmerzintensität und die Dauer der einzelnen Attacke. Ebenfalls wirksam, mit etwas weniger Effekt, ist das hochintensive oder moderate Ausdauertraining. Alle Trainingsarten waren der medikamentösen prophylaktischen Therapie überlegen.
Physiotherapie zur Behandlung von Spannungskopfschmerz
Untersucht wurden vor allem die Triggerpunkt-Therapie, neurodynamische Mobilisation, manuelle Therapien und Übungstherapien (gezielte Übungen zur Mobilisation, Dehnung und Kräftigung der Nackenmuskulatur). Der jeweils größte Effekt konnte durch eine Kombination verschiedener Techniken erreicht werden.
Psychologische Therapien gegen Spannungskopfschmerz
Hier zeigt eine ganze Reihe von Verfahren ein zuverlässiges Ansprechen der Spannungskopfschmerzen:
Beim Biofeedback lernen die PatientInnen aktiv Muskelspannung und Gefäßweite zu regulieren und so Kopfschmerzen vorzubeugen oder auch in der Attacke selbst zu behandeln.
Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelrelaxation oder die Achtsamkeitsmeditation über einen Zeitraum von 8 Wochen reduzieren ebenfalls die Kopfschmerzfrequenz. Auch ein Stressbewältigungstraining hilft dabei. Daneben sind noch ein Schlafhygienetraining oder die kognitive Verhaltenstherapie zu nennen.
WANN SOLLTE MAN ÄRZTLICHE HILFE SUCHEN?
Warnsignale bei Kopfschmerzen
Jeder und jede mit wiederkehrenden Kopfschmerzen sollte zumindest einmalig einen Termin bei Fachärztin/Facharzt für Neurologie in Anspruch nehmen. Hierbei muss die Diagnose gesichert werden, gegebenenfalls Zusatzuntersuchungen veranlasst und (wenn notwendig) die Therapie angepasst werden.
Eine neuerliche Begutachtung ist unbedingt zu empfehlen, wenn eine neue Kopfschmerzart auftritt, sich die Charakteristika der bekannten Kopfschmerzen deutlich ändert oder die Häufigkeit des Auftretens im Zeitverlauf von Monaten deutlich zunimmt. Hier muss eine Re-Evaluierung erfolgen im Hinblick auf möglicherweise notwendige Zusatzuntersuchungen wie eine Bildgebung des Kopfes (MRT oder CT Schädel) und Therapieänderung.
Als Spezialisten in der Abklärung und Behandlung von Kopfschmerzen sind wir von der Neurowerkstatt in Gallneukirchen/Linz gerne für Sie da.
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