Sie haben wiederkehrende Kopfschmerzen, die eine Seite Ihres Kopfes betreffen? Und sich auf die Region der Stirn beziehungsweise um das Auge konzentrieren? Das hilft uns bei der Findung der richtigen Diagnose.
Die häufigste Ursache für diese Lokalisation der Kopfschmerzen ist eine Migräne. Sie betrifft etwa 12% der erwachsenen Bevölkerung und ist damit sehr häufig, die häufigste chronische neurologische Erkrankung überhaupt. Die wichtigste alternative Diagnose bei dieser Schmerzlokalisation ist der Clusterkopfschmerz. Dieser ist mit 0,1-0,2% in der Bevölkerung im Vergleich sehr selten. Möglicherweise wird er aber manchmal übersehen. Für Sie als PatientIn ist die korrekte Zuordnung aber wichtig, da die Behandlung unterschiedlich ist.
Deshalb wollen wir in diesem Artikel die Unterschiede zwischen den beiden Kopfschmerzformen herausarbeiten. Gleich vorweg sei aber gesagt: die Diagnose muss durch Fachärztin/Facharzt für Neurologie gesichert werden.
BETROFFENE
Frauen sind 3x so oft von Migräne betroffen wie Männer. Das hängt nach derzeitigem Verständnis vor allem mit dem Östrogen zusammen, das auf das zentrale Schmerzsystem in unserem Gehirn Einfluss nimmt. Leider einen negativen, sprich: es macht es empfindlicher und begünstigt das Auftreten einer Migräneattacke.
Beim Cluster-Kopfschmerz ist das Verhältnis genau umgedreht: hier sind die Männer sind 3x häufiger betroffen. Hier wird es wesentlich weniger verstanden, warum das so ist. Eine Rolle der Hormone ist naheliegend, aber auch Lifestyle-Faktoren wie zum Beispiel Rauchen werden in Erwägung gezogen.
SCHMERZLOKALISATION
Die Migräne spielt sich gern im Bereich der gesamten Kopfhälfte ab und ist dabei relativ variabel. Manche PatientInnen nehmen den Beginn zuerst im Nacken wahr, welcher dann nach vorne bis in Auge oder Stirn ausstrahlt. Manche beschreiben einen Beginn des Schmerzes hinter dem Auge, der dann bis zum Scheitelpunkt oder Hinterkopf ausstrahlt. Auch können die Seiten wechseln zwischen den einzelnen Attacken, manchmal links, manchmal rechts.
Der Clusterkopfschmerz ist da viel strenger immer am selben Punkt im oder hinter dem Auge. Ein Wechsel der Seite in der Attacke oder während einer Cluster-Periode kommt nicht vor.
SCHMERZCHARAKTERISTIKA
Eine Migräneattacke verursacht mittlere bis starke Kopfschmerzen. Die Schmerzart wird klassischerweise als stechend oder pulsierend beschrieben.
Der Cluster-Kopfschmerz wird von PatientInnen als vernichtend stark und stechend beschrieben.
BEGLEITSYMPTOME
Beide Kopfschmerzarten haben typische Begleiter.
Die Migräne geht oft mit Übelkeit und manchmal auch Erbrechen einher. Viele PatientInnen haben ein Rückzugsbedürfnis – Vorhänge zu und Hinlegen. Licht und Lärm werden als unangenehm empfunden. Bei einem Viertel der PatientInnen mit Migräne geht dem Kopfschmerz eine sogenannte Aura voraus. Das sind vorübergehende Phänomene mit Sehen eines wandernden Lichtkranzes oder schwarzer Flecken im Gesichtsfeld. Manchmal kann sich auch ein Kribbeln um Mund oder Hand hinzugesellen, eventuell auch eine Sprachstörung. Jedes dieser Symptome kann bis zu einer Stunde anhalten, meist folgt der Kopfschmerz erst danach.
Im Gegensatz dazu haben PatientInnen in der Clusterkopfschmerzattacke das Gefühl, sich bewegen zu müssen, sind ganz unruhig in der Attacke. Übelkeit kommt nicht vor, dafür aber die typische „trigemino-autonome Aktivierung“. Das bezeichnet eine tatsächlich sichtbare, einseitige Veränderung im Gesicht von Betroffenen, was einzigartig ist bei Kopfschmerzen. Möglich sind eine Rötung des betroffenen Auges, ein Tränen des Auges, eine Schwellung des Lider, ein Rinnen oder ein verstopftes Gefühl der Nase, eine Verengung oder Erweiterung der Pupille oder ein vermehrtes Schwitzen im Bereich der Stirn.
Hier muss gesagt werden, dass bei genauem Nachfragen auch viele Migräne-PatientInnen ein oder mehrere dieser Symptome haben – weshalb eine fachärztliche Begutachtung unbedingt vorgenommen werden sollte.
DAUER
Die Migräne beginnt wo der Cluster-Kopfschmerz endet könnte man salopp sagen. Eine Cluster-Kopfschmerz-Attacke dauert zwischen einer 1/4 und drei Stunden, der Migränekopfschmerz kann von vier Stunden bis mehrere Tage anhalten.
ZEITPUNKT DES AUFTRETENS
Die Migräne kommt gerne irgendwann im Tagesverlauf oder ist auch schon mal beim Aufwachen da. Eher ungewöhnlich wäre ein regelmäßiges Auftreten mitten in der Nacht. Das Hingegen tut der Cluster-Kopfschmerz bei der Hälfte der Attacken.
ATTACKENHÄUFKEIT IM JAHRESVERLAUF
„Cluster“ bedeutet übersetzt Ansammlung, Häufung. Er wurde deshalb so genannt weil er meist in sogenannten Cluster-Perioden auftritt, in denen er dann gehäuft vorhanden ist. Dies reicht von einer Attacke jeden zweiten Tag bis mehrere Attacken an einem Tag. Das kann dann über Wochen oder Monate so sein und dann … ist er wieder weg. So wie er gekommen ist. Eine zeitliche Häufung im Jahresverlauf sehen wir im Frühling und Herbst.
Die Migräne hingegen, ist, wenn sie einmal da ist, mal mehr oder weniger vorhanden. Die Frequenz ist zwischen den Betroffenen sehr variabel, manche PatientInnen haben ein oder zwei Attacken pro Jahr, andere mehrere pro Monat oder sogar Woche. Sie kommt bei PatientInnen vermehrt um Eisprung und Menstruation vor. Aber nie zeigt sie diese strenge Rhythmik mit sehr häufigen Attacken und dann langen Pausen dazwischen.
Für den besseren Überblick haben wir die Charakteristika nochmals in einer Tabelle für Sie zusammengefasst.
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